Große Minecraft-Netzwerke wie Hypixel bestehen nicht aus einem einzigen Server, sondern aus vielen einzelnen Servern, die hinter einer gemeinsamen Adresse zusammengeschaltet sind. Genau das ermöglicht ein Proxy. In diesem Artikel erfährst du, was ein Proxy ist, wie das Grundprinzip funktioniert, wo der Unterschied zwischen Velocity und BungeeCord liegt und wann sich ein solches Setup für dich lohnt.
Ein Proxy ist ein schlanker Vermittler-Server, der selbst keine Welt hat. Spieler verbinden sich nicht direkt mit deinem Survival- oder Minigame-Server, sondern zuerst mit dem Proxy. Dieser leitet sie dann an einen der dahinterliegenden Backend-Server weiter.
Der große Vorteil: Alle Backend-Server erscheinen für die Spieler unter einer einzigen Adresse. Statt survival.dein-server.de und minigames.dein-server.de gibt es nur noch dein-server.de – und intern entscheidet der Proxy (oder der Spieler per Befehl), wohin es geht.
Ein typisches Netzwerk sieht so aus:
Zwischen diesen Servern wechseln Spieler dann nahtlos, ohne die IP neu einzugeben – meist über Portale, ein Kompass-Menü oder Befehle wie /server survival.
Tipp: Ein Proxy ist kein Ersatz für einen leistungsstarken Backend-Server. Er verteilt Spieler, rechnet aber selbst keine Welten. Die eigentliche Last (Chunks, Redstone, Mobs) tragen weiterhin die dahinterliegenden Server.
Es gibt zwei etablierte Proxy-Lösungen. Beide erfüllen denselben Zweck, unterscheiden sich aber deutlich in Technik und Aktualität.
BungeeCord ist der Klassiker und seit vielen Jahren im Einsatz. Es ist extrem verbreitet, gut dokumentiert und hat ein riesiges Plugin-Ökosystem (inklusive der Abwandlung Waterfall, die inzwischen jedoch eingestellt wurde). Für kleine, einfache Netzwerke funktioniert es weiterhin zuverlässig.
Velocity ist der moderne Nachfolger, entwickelt vom PaperMC-Team. Es ist deutlich performanter, sicherer und besser auf aktuelle Minecraft-Versionen ausgelegt. Velocity nutzt ein eigenes, moderneres Plugin-System und unterstützt mit Modern Forwarding eine sichere Methode, Spielerdaten an die Backend-Server zu übergeben.
Tipp: Für neue Netzwerke empfehlen wir klar Velocity. Es ist zukunftssicher, ressourcenschonend und wird aktiv gepflegt. BungeeCord ist vor allem dann sinnvoll, wenn du auf ein spezifisches Plugin angewiesen bist, das es nur dort gibt.
Beide bekommst du direkt aus offiziellen Quellen: Velocity über PaperMC.io bzw. den Hangar-Plugin-Marktplatz, BungeeCord über die SpigotMC-Seite.
Damit ein Proxy-Netzwerk funktioniert, greifen mehrere Bausteine ineinander:
velocity.toml bzw. config.yml bei BungeeCord) trägst du Name, IP und Port jedes Backend-Servers ein.Der entscheidende Punkt: Nach außen ist nur der Proxy erreichbar. Die Backend-Server sollten idealerweise nicht direkt aus dem Internet ansprechbar sein.
Das ist der Teil, an dem die meisten Netzwerke scheitern. Normalerweise prüft jeder Minecraft-Server bei Mojang, ob ein Spieler einen echten Account hat (online-mode=true). In einem Proxy-Netzwerk übernimmt aber der Proxy diese Prüfung – nicht die Backend-Server.
Deshalb gilt für die Backend-Server:
server.properties jedes Backend-Servers muss online-mode=false gesetzt werden.Achtung:
online-mode=falseallein ist ein Sicherheitsrisiko. Ein direkt erreichbarer Server mitonline-mode=falsekann von jedem unter beliebigem Namen betreten werden. Deshalb muss Forwarding korrekt konfiguriert sein und der Backend-Server darf nur vom Proxy erreichbar sein.
Bei Velocity nutzt du dafür Modern Forwarding: Du hinterlegst ein Secret (forwarding.secret) im Proxy und im Velocity-Plugin auf jedem Paper-Backend-Server. Nur wer das Secret kennt, darf Spieler übergeben – das schließt die Lücke. Bei BungeeCord heißt das Pendant bungeecord: true (in der spigot.yml) plus die klassische, weniger sichere IP-Forwarding-Variante.
Tipp: Verwende auf allen Backend-Servern Paper (nicht Vanilla oder reines Spigot), damit Velocitys Modern Forwarding sauber funktioniert. Paper bekommst du ebenfalls über PaperMC.io.
Ein Proxy-Netzwerk ist mächtig, aber auch aufwendiger. Es lohnt sich, wenn:
Für einen einzelnen Survival-Server mit ein paar Freunden ist ein Proxy dagegen unnötiger Ballast – hier reicht ein einzelner Server völlig.
Tipp: Bei Gamesilo kannst du klein anfangen: Erst einen Backend-Server aufsetzen und stabil betreiben, dann bei Bedarf um Proxy und weitere Server erweitern. So wächst dein Netzwerk mit deiner Community.